Seichtgebiete von Michael Jürgs

Warum wir hemmungslos verblöden – mit seiner provokanten Streitschrift warnt Jürgs vor den Folgen einer verödenden demokratischen Kultur.

Die uns täglich verabreichte Dosis an Blödmachern im Fernsehen, im Internet, in Zeitschriften, in sogenannten Ratgeberbüchern hat schleichend unsere Gesellschaft verändert, hat uns dumm und dumpf gemacht. Wo kein Tabu mehr gilt, prägen falsche Vorbilder das Verhalten in Unterschicht wie Oberschicht. In solcher geistigen wie kulturellen Verwahrlosung der Nation geht letztlich die Demokratie baden.

Die Folgen für die Gesellschaft sind verheerend:
Die Umgangssprache ist zur Leerformel verkommen, das Boaeygeil-Gestammel per SMS, Handy, E-Mail hat sich längst auch in den persönlichen Gesprächen durchgesetzt – und wo die Sprache verkümmert, verkommt die Denkfähigkeit. Bushido, Roche und ihresgleichen werden selbst vom Feuilleton als Ikonen der Subkultur gefeiert. Wo keine Maßstäbe mehr gelten, benehmen sich zu viele so, als dürften sie sich alles herausnehmen. Es gilt als gesellschaftsfähig, was früher mit Diskretion behandelt worden wäre, schamlos verbreiten B- und C-Promis ihr Privatleben als öffentliches Ereignis.

Michael Jürgs zeigt sich gewohnt subjektiv gnadenlos, wie es sich für eine Streitschrift gehört, spricht schonungslos Klartext, ohne die arrogante Haltung des Besserwissers. Sein neues Buch ist eine verzweifelte Attacke gegen die nachhaltig wachsende Verblödung, ein eloquentes Plädoyer für mehr Sein als Schein, das in der Forderung endet, die Macher und Propheten der Verdummung dahin zurückzuschicken, wo sie herkommen und auch hingehören: auf die Hintertreppen. Michael Jürgs‘ Pamphlet ist nicht nur eine kritisch-sarkastische Bestandsaufnahme dieser Zustände, sondern zeigt auch, wie man sie beheben könnte.

ÖGB-Verlag:
256 Seiten
C. Bertelsmann Verlag, 2009
ISBN: 978-3-570-10009-7
EUR 15,40

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Über Werner Drizhal

Den Lehrberuf "Elektromechaniker für Starkstrom" in der AMAG-Ranshofen erlernt. Als Jugendvertrauensratsvorsitzenden zum ÖGB-Oberösterreich als Jugendsekretär gewechselt. Nach Absolvierung der Sozialakademie als ÖGB-Bezirkssekretär für Linz-Land gearbeitet. 1996 bis 1999 Mitglied eines OE-Teams der ÖGB-Zentrale, wo ich mich mit Organisationsentwicklung der ÖGB-Bezirkssekretariate und Mitwirkungsfragen von FunktionärInnen in der Gremienarbeit beschäftigte. 1999 in die ÖGB-Zentrale als Personalentwickler gewechselt. Hauptverantwortlich für die Einführung von MitarbeiterInnengesprächen im ÖGB. Umsetzung von professionellen Personalinstrumenten in der ÖGB-Zentrale. Ausbildung in systemischen Coaching und Erlebnispädagogik absolviert. 2007 Wechsel in die Bildungsabteilung der GPA-djp. Zur Zeit Leiter des Geschäftsbereichs Bildung - Gewerkschafts- und Personalentwicklung in der GPA-djp.

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