Die Blockchain: nächstes Level der Digitalisierung?

Bild: Day Donaldson, Flickr, CC BY 2.0

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Derzeit wird „die Digitalisierung“ viel und intensiv in Medien (beispielhaft kürzlich in der Wiener Zeitung), Politik (Bsp.: Digital Roadmap), Wissenschaft und vor allem in der Wirtschaft sowie auch bei uns in Arbeiterkammern und Gewerkschaften diskutiert. Während wir uns mitten im „digitalen Wandel“ befinden und mit schwer abschätzbaren Entwicklungen konfrontiert sind, zeichnet sich am gar nicht so entfernten Horizont bereits die nächste umwälzende Technologie ab: die „Blockchain“.

„Software-Entwickler halten die Blockchain deshalb für mindestens so wichtig wie die Erfindung des Internets. Aktivisten träumen von einer Welt in der Menschen keine Konten mehr brauchen, um ein Business zu eröffnen, in der keine Gebühren mehr an Banken gezahlt werden müssen. In der Verträge und Eigentumsrechte nicht mehr von korrupten Beamten verändert werden können, weil sie in der Blockchain gespeichert sind.“ (Bayern 2, Zündfunk Generator, 28.10.2016)

Doch was „davon ist realistisch, wo wird die Technologie bereits eingesetzt und warum schwärmen so viele von ihr?“ (Ebenda.) Die Radiosendung „Zündfunk Generator“ des Senders Bayern 2 hat sich dieser neuen Technologie und den vielen Fragen um sie herum gewidmet:

„Basierend auf dem derzeit populärsten Buch zu dem Thema: ‚Blockchain Revolution‘ von Alex und Don Tapscott, die uns darin eine ganze Aneinanderreihung von Heilsversprechen liefern, wie diese neue Technik das Netz und unser aller Leben verbessern könnte.“ (Bayern 2 – Zündfunk Generator: Wie die Blockchain Technologie die Welt verändern will, Manuskript, Seite 25 [PDF].)

Allerdings zeichnet die MacherInnen des „Zündfunk Generators“ aus, dass sie nicht einfach unkritisch einen Hype nach dem anderen präsentieren und propagieren, sondern immer auch den Blick auf die Schattenseiten, die Fragwürdigkeiten und Unabwägbarkeiten von politischen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen legen. Das gilt selbstverständlich auch für technologische Entwicklungen, die bzw. deren Einsatz und Nutzung selbst ebenfalls gestaltet werden. Sie sind damit immer auch als Resultate politischer Prozesse, die bestimmte gesellschaftliche Ausprägungen annehmen bzw. Folgen haben. So wie dies in den letzten Jahren auch mit dem Internet der Fall war,

„ein Internet, in dem sich der Bürger in Open Source Projekten weltweit vernetzt, um als Teil einer Sharing Economy Wohlstand für alle zu erschaffen. Doch die meisten dieser Hoffnungen wurden enttäuscht: Stattdessen hat der Kapitalismus in seiner unreguliertesten Form noch einmal an Geschwindigkeit aufgenommen: Private Taxler fahren als Tagelöhner ohne Krankenversicherung, damit Uber zum Milliardenunternehmen wird, Clickworker schuften als Billigjobber ohne Arbeitnehmerrechte und ein paar Riesen wie Facebook, Apple, Google oder Amazon kontrollieren die Entwicklung und sacken den Gewinn ein.“ (Ebenda.)

Die Analyse des Status Quo der Digitalisierung bzw. der wirtschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahre ergibt daher ein kritsch-skeptisches Zwischenresümee:

„Inzwischen hat sich gezeigt, dass die konzentrierte Macht von Unternehmen und Staaten die ursprünglich demokratische Architektur des Internets nach ihrem Willen gebeugt hat. Vom Silicon Valley über die Wall Street bis nach Shanghai und Seoul nutzt diese neue Aristokratie ihr Insiderwissen, um mithilfe der außergewöhnlichsten aller je entwickelten Technologien Menschen zu Wirtschaftsakteuren zu machen, um riesige Vermögen anzuhäufen und ihre Macht und ihren Einfluss über Volkswirtschaften und Gesellschaften zu stärken. Viele der pessimistischen Befürchtungen der digitalen Vorreiter sind im Großen und Ganzen eingetreten.“ (Ebenda.)

Doch es ist eben nur ein Zwischenresümee. Die Hoffnung stirbt zuletzt und bildet sich rund um die Überlegungen, dass „dass die Blockchain, richtig angewendet, die demokratische Offenheit des Netzes mit all seinen Versprechen doch noch ermöglicht und den Plattform-Kapitalismus zerstört.“ (Ebenda.)

Und soviel muss hier als Hinweis auch reichen. Wer den Schluss hören, sich aber vor allem auch mehr Eindrücke der Möglichkeiten der Blockchain verschaffen will, der/die kann den Beitrag hier nachhören: Bayern 2 – Zündfunk Generator: „Wie die Blockchain Technologie die Welt verändern will“. Unser Tipp: kritisch bleiben und genau hinhören, wo die dargestellten technischen Möglichkeiten der Blockchain auch Wirtschaftsstrukturen, Geschäftsmodelle und Arbeitsprozesse verändern könnten, die nicht nur Unternehmen, sondern ganze Branchen – also unsere Arbeit – fundamental auf den Kopf stellen würden. Oder werden?

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