Integrieren statt verlieren (Doku)

Am 30. März machten sich Betriebsrätinnen und Betriebsräte der GPA-djp auf den Weg, um betriebliche Schauplätze gelingender Integration zu besichtigen.

Unter der Leitung von Nina Horaczek, Chefreporterin beim „Falter“, bekamen die TeilnehmerInnen spannende Einblicke in Betriebe, wo durch das Engagement einzelner Personen und guter Rahmenbedingungen Flüchtlinge aufgenommen wurden und Integration vorbildlich gelingt.

Der Beginn der Veranstaltung fand in Magdas Hotel statt, wo Nina Horaczek einen kurzen ersten Einblick zum Thema gab und eine Verantwortliche des Magdas das Social Business Projekt der Caritas vorstellte, welches 2015 eröffnet wurde. Das Hotel hat 78 Zimmer und beschäftigt 20 Flüchtlinge sowie zehn ÖsterreicherInnen. Ziel des Hotels ist es, Flüchtlinge eine Einstiegshilfe in den „normalen“ Arbeitsmarkt zu geben, gleichzeitig aber als Unternehmen schwarze Zahlen zu schreiben. Alle Beschäftigten werden zumindest nach Kollektivvertrag bezahlt, auch wenn manche von ihnen erst angelernt werden. Zusätzlich steht Flüchtlingen eine Sozialarbeiterin zur Seite, die sie bei Problemen wie Wohnungssuche, Familienzusammenführung, etc. unterstützt. Neben normalen Arbeitsverhältnissen bietet das Hotel auch eine Mitarbeit im Rahmen eines freiwilligen Integrationsjahres an.

Die zweite Station des Tages beschäftigte sich mit Integration im Großunternehmen. Dazu besuchte die Gruppe die ÖBB-Lehrwerkstätte, wo Günther Herrl, Leiter des Lehrlingswesens, gute Einblicke in einen top geführten Betrieb gab. Die ÖBB sind der zweitgrößte Lehrlingsausbilder in Österreich, im technischen Bereich sogar der größte. Die ÖBB bilden etwa 1.750 Lehrlinge in insgesamt 22 Berufen aus. Seit 2012 haben die ÖBB auch ein eigenes Ausbildungsprogramm für jugendliche Flüchtlinge, bei dem sie mit dem Verein lobby16 (siehe Station 6) und dem AMS kooperieren. Derzeit befinden sich etwa fünfzig junge Flüchtlinge, vor allem aus Syrien und Afghanistan, in einer Lehrlingsausbildung.

Die dritte Station des Tages führte die TeilnehmerInnen zum Salon Ismet, ein hervorragendes Beispiel für Integration im Kleinbetrieb. Ismet Velagic ist Besitzer des Frisörsalons in der Erdbergstraße im 3. Bezirk. Er kam einst selbst während des Bosnienkrieges als Flüchtling nach Österreich. Als 2015 eine große Zahl an Flüchtlingen nach Österreich kam, hat er beschlossen, so zu helfen, wie ihm damals geholfen wurde. Er hat in seinem Frisörsalon einen 30-jährigen Syrer aufgenommen, der vor dem Krieg als Frisör gearbeitet hat, jedoch über keinen offiziellen Lehrabschluss verfügt. Noah Abdu wurde von Herrn Velagic als Lehrling angestellt und kann nun im Salon Ismet seinen Lehrabschluss als Damenfrisör nachholen.

Das Mittagessen genossen die TeilnehmerInnen in der Migrating Kitchen, einem gemeinsamen Cateringprojekt von GastarbeiterInnen und Geflüchteten, zwei Gruppen, die am Arbeitsmarkt oft in Konkurrenz zu einander stehen. Migrating Kitchen ist als Caterer tätig, unter anderem bei Symposien im Parlament, und bietet ab dem Frühjahr 2017 Mittagsmenüs an. In Planung ist ein eigenes kleines Speiselokal.

Am Nachmittag war die erste Station dann die  Hans Mandl-Berufschule. Die Berufsschule für Gastgewebe hat im Herbst 2015 eine eigene Klasse für Flüchtlinge eröffnet. 16 Burschen aus fünf verschiedenen Ländern wurden in dieser Klasse aufgenommen, nur einer von ihnen sprach Deutsch. Nach nur einem Schuljahr ist es der Berufsschule gelungen, für neun Schüler einen Lehrplatz zu finden, drei weitere konnten in einem College aufgenommen werden, in dem sie ihre Deutschkenntnisse verbessern können. Dieser Erfolg war nur möglich dank des Engagements der Lehrerinnen und Lehrer sowie der Direktion der Hans Mandl-Berufsschule.

Eine wesentliche Institution, wenn Integration gelingen soll, ist der Verein Lobby 16. Der Verein Lobby 16 engagiert sich seit 2010 im Projekt „Bildungswege“ in der Berufsausbildung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. In diesem Projekt machen die Jugendlichen den Pflichtschulabschluss nach (falls sie über keinen verfügen), sie erhalten eine breite Berufsorientierung inklusive Schnupperpraktika, werden in Deutsch, Mathematik und EDV nachqualifiziert und über die gesamte Lehrzeit hindurch von MitarbeiterInnen der Lobby 16 betreut. Zusätzlich erhalten die Jugendlichen und jungen Erwachsenen noch weitere Unterstützung, da sie ohne Eltern in Österreich leben. In professionellen Workshops lernen sie, wie man sich richtig bewirbt, welche Maßstäbe unserem kulturellen Verständnis zugrunde liegen, wie der Umgang im Arbeitsleben und Arbeitsalltag ist, Erste Hilfe, den richtigen Umgang mit Geld, aber auch welche Rechte sie als Lehrlinge haben und wie das österreichische Sozialsystem funktioniert. Lobby 16 hat 2010 mit der Ausbildung von zehn unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen begonnen und begleitet mittlerweile 70 Jugendliche und junge Erwachsene.

Den Abschluss des Tages machte die Gruppe bei der Refugee Bike Kitchen. Ein Beschäftigungsprojekt, das aus der Not entstanden ist. In einem Pavillon des Geriatriezentrums am Wienerwald sind seit Herbst 2015 etwa 220 AsylwerberInnen untergebracht. Da AsylwerberInnen in einer organisierten Unterkunft nur 40 Euro Taschengeld pro Monat zur Verfügung haben und nicht arbeiten dürfen (außer gemeinnützige Arbeiten für höchstens 110 € pro Monat), können sie sich keine Fahrscheine leisten. Deshalb begannen Sozialarbeiter des Fonds Soziales Wien, gemeinsam mit AsylwerberInnen, alte Fahrräder zu reparieren. Daraus ist ein Fahrradverleih entstanden sowie eine exzellent ausgestattete Fahrrad-Selbsthilfewerkstatt, in der WienerInnen mit Unterstützung entsprechend ausgebildeter AsylwerberInnen ihre Fahrräder selbst reparieren können.

In Summe war es für die Betriebsrätinnen und Betriebsräte ein interessanter Tag mit Einblicken, die man in dieser Art kaum bekommt. An dieser Stelle auch ein herzliches Dankeschön an die Leiterin dieser Exkursion, Nina Horaczek, ihres Zeichens Chefreporterin beim „Falter“ und seit Jahren in der Flüchtlingshilfe engagiert.

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