Was denken die Angestellten? (3/10)

Eine Befragung von Handels- und Bankenbeschäftigten zu Arbeitsbedingungen und gesellschaftlichen Entwicklungen

3. ANGST VOR ARBEITSLOSIGKEIT

Bild: GPA-djp, fotolia.com

Emily Duggan, Lena Linecker, Martina Reithmayr

Die Angst vor Arbeitslosigkeit ist in Österreich wieder ein brisantes Thema, da die Arbeitslosenrate seit einigen Jahren auf hohem Niveau stagniert. Im Bankensektor ist es insbesondere in Folge der Finanzkrise 2008 zu zunehmendem Stellenabbau gekommen. Zusätzlich ist die Beschäftigungslage in dieser Branche schon zuvor durch Entwicklungen wie zum Beispiel durch verstärkte Angebote des Internetbankings unter Druck gekommen. Die zunehmende Digitalisierung setzt diesen Trend in den letzten Jahren fort. Auch im Handelssektor wird vermehrt auf Digitalisierung gesetzt. Selbstbedienungskassen und Online-Zustelldienste ermöglichen es den Arbeitgebern, Arbeitsplätze zu rationalisieren und Arbeitskräfte zu reduzieren. Wir haben uns daher gefragt, wie groß die Angst vor Arbeitslosigkeit bei den von uns befragten Handels- und Bankangestellten ist und ob sie bereits Erfahrung mit Arbeitslosigkeit hatten.

Erfahrung mit Arbeitslosigkeit

Die von uns befragten ArbeitnehmerInnen stellen in dieser Hinsicht quasi einen „Ausnahmefall“ dar, weil
sie kaum über Arbeitslosigkeitserfahrung verfügen: Über 90 Prozent der Befragten waren in den letzten
5 Jahren nicht arbeitslos, 80 Prozent arbeiten seit über 5 Jahre im selben Betrieb. Bei Kündigungs- bzw. Entlassungswellen werden häufig zuerst die kürzer Beschäftigten entlassen. Des Weiteren kann das Alter der Befragten hierfür eine Erklärung sein. Die meisten Befragten sind über 45 Jahre alt. Zwar wird Alters-Arbeitslosigkeit in Österreich zunehmend ein Thema – von den 8,6 Prozent gemeldeten Arbeitslosen in Österreich sind 28 Prozent 50 Jahre alt oder älter, Tendenz steigend (AMS 2016) –, dennoch gehören insbesondere auch junge Beschäftigte zu den besonders vulnerablen Gruppen in Hinblick auf etwaige Kündigungen und Entlassungen.

Graphik 1: Erfahrungen mit Arbeitslosigkeit in den letzten fünf Jahren (Angaben in Prozent)

Angst, in Zukunft durch einen Computer oder Roboter ersetzt zu werden

Diese eher geringe, eigene Arbeitslosigkeitserfahrung mag vielleicht auch eine Erklärung dafür zu sein, dass mehr als 70 Prozent der Befragten angeben, trotz der weitreichenden Umwälzungen in ihren Branchen auch keine Angst zu haben, dass ihr Arbeitsplatz durch Roboter oder Computer ersetzt wird. Einer kleineren Gruppe von rund 15 Prozent bereitet dies jedoch sehr wohl Sorge. Die Angst, ersetzt zu werden, trifft auf mehr Angestellte im Banken- und Kreditwesen zu als auf jene im Handel: 15 Prozent haben der Aussage „Ich habe Angst, dass mein Arbeitsplatz in Zukunft durch einen Computer oder Roboter ersetzt wird“ sehr zugestimmt, im Handel waren es hingegen nur 6 Prozent.

Spannend ist in diesem Zusammenhang jedoch das Ergebnis, dass rund 80 Prozent der Befragten angaben, dass sie glauben, es werden durch die zunehmende Technisierung generell immer mehr Arbeitsplätze verloren gehen. Der Unterschied bei dieser Einschätzung ist zwischen den beiden Sektoren nicht groß, jedoch zeigt sich im Banken- und Kreditwesen eine etwas stärkere Zustimmung zu der Aussage nach einem größeren Arbeitsplatzverlust durch Technisierung.

Zusammenfassend ausgedrückt fühlen sich die Befragten selbst also nicht wirklich betroffen von den Auswirkungen der Digitalisierung, haben aber dennoch Angst vor den gesellschaftlichen Entwicklungen.
Unsere Auswertung zeigt zudem, dass Bankangestellte viel größere Sorgen davor haben, dass in ihrer Firma viele Arbeitskräfte entlassen werden. Eine Erklärung dafür bietet die folgende Darstellung. Hier zeigt sich, dass im Banken- und Kreditwesen in den letzten 12 Monaten bei vielen Befragten stetig Arbeitskräfte entlassen wurden, während dies in der Handelsbranche weniger der Fall war. 60 Prozent der Bankangestellten gaben „trifft dauernd zu“ an und weitere 28 Prozent „trifft manchmal zu“. Bei den Handelsangestellten waren im Vergleich nur 17 Prozent dauernd und 25 Prozent manchmal von Stellenabbau betroffen.

Graphik 2: In den vergangenen 12 Monaten wurden viele Stellen abgebaut

Literatur

  • AMS (2016): Übersicht über den Arbeitsmarkt. In: http://www.ams.at/_docs/001_uebersicht_aktuell.pdf (23.05.2017).
  • Die Presse (2016): Arbeitslosigkeit steigt in Österreich seit fünf Jahren. In: http://diepresse.com/home/wirt- schaft/economist/5078413/Arbeitslosigkeit-steigt-in-Oesterreich-seit-fuenf-Jahren (23.05.2017).
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