Wienwoche: Ziviler Gehorsam?

Foto: Sandra Stern

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„Wege finden, um Demokratie, Frieden, Gleichheit und Wohlstand miteinander zu teilen, also: stören, um zu verändern!“ Diese Aufforderung aus dem Einleitungstext zur Wienwoche 2015 liest sich wie das Motto einer gewerkschaftlichen Veranstaltung. Das mag verwundern, wenn man außerdem liest, dass es sich bei der Wienwoche um ein Kulturprojekt handelt. Es ist aber weniger überraschend, wenn man zum Beispiel daran denkt, dass auch die Gewerkschaftsbewegung in ihren Anfängen als Bildungs- und Kulturarbeit in Arbeiterbildungsvereinen organisiert wurde – und die ursprünglichen gewerkschaftlichen Forderungen nach Demokratie (Mitbestimmung), Frieden, Gleichheit und Verteilungsgerechtigkeit heute so aktuell sind wie im 19. Jahrhundert.

Seit 2011 verfolgt das Kulturprojekt Wienwoche „die Entwicklung und Förderung gesellschaftspolitischer und kultureller Handlungsräume für künstlerische, soziokulturelle und zivilgesellschaftliche Akteur_innen“. Von 18. September bis 03. Oktober 2015 sollen 17 Projekte, „Mehr- statt Eindeutigkeit sichern, Mut statt Angst machen, Vision statt Stolz anpreisen und Veränderung statt Abwehr vorantreiben.“

Einige dieser Projekte beschäftigen sich mit der aktuellen und akuten Problemsituation des Umgangs mit Flüchtlingen in Europa und Österreich auf, unter anderem das Projekt „Ziviler Gehorsam? Beispiele engagierter Asylpolitik“ in Kooperation mit der Volkshochschule Ottakring und BOEM*.

„Viele Gemeinden und Initiativen entscheiden sich dafür, sich der unmenschlichen Asylpolitik der EU und der österreichischen Regierung zu widersetzen und stattdessen den Menschenrechten Gehorsam zu schenken. Sie fordern: Europa muss Asyl werden.
Wir befinden uns im Jahr 2015. Ganz Europa betreibt eine repressive Asyl- und Grenzpolitik und führt eine Debatte über die Verteilung und Verwahrung von Asylsuchenden, als wären sie keine Menschen wie du und ich. Ganz Europa? Nein! Wie andernorts leisten auch Menschen in Österreich Widerstand gegen die inhumane Politik der Festung Europa.
Im oft zitierten Manifest gegen Abschiebungen aus Alberschwende vom März 2015 wird der Begriff des ‚zivilen Gehorsams‘ geprägt, der uns dazu anhalten soll, staatlich angeordnetes Unrecht zu verhindern, wenn dieses zu Menschenrechtsverletzungen führt. Viele österreichische Gemeinden – von Alberschwende in Vorarlberg bis Neudörfl im Burgenland – sowie zahlreiche Initiativen entscheiden sich für den Gehorsam gegenüber Menschenrechten und den Ungehorsam gegenüber der Politik der EU und der österreichischen Bundesregierung. Sie übernehmen selbstverständlich Aufgaben, bei denen die EU und ihre Institutionen versagen, sei es die Seenotrettung oder die Unterstützung von Asylsuchenden bei Unterbringung, Versorgung oder Ausbildung.
In Ziviler Gehorsam? Beispiele engagierter Asylpolitik stehen Menschen auf der Bühne, die von ihrer Unterstützungsarbeit berichten. Außerdem soll die Veranstaltung Anschlussmöglichkeiten für Personen schaffen, die sich ebenfalls engagieren wollen, und die Vernetzung verschiedener Initiativen vorantreiben. Das Ziel: die eigenen Praktiken durch ständigen Austausch und Dialog auszuweiten.
Europa muss Asyl werden!“

Termin: Samstag, 26.09.2015, 16:00 Uhr, Volkshochschule Ottakring, 1160, Ludo-Hartmann-Platz 7

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