„Gewalt geht gar nicht“ (Doku)

„Gewalt am Arbeitsplatz ist eine Handlung, eine Begebenheit oder ein von angemessenem Benehmen abweichendes Verhalten, wodurch eine Person im Verlauf oder in direkter Folge ihrer Arbeit schwer beleidigt, bedroht, verletzt, verwundet wird“ (ILO)

 

Am 13. März 2019 lud die GPA-djp Bildungsabteilung zu einer Veranstaltung für BetriebsrätInnen und Mitglieder der GPA-djp ein. Das Thema der Veranstaltung lautete: „Gewalt geht gar nicht. Beschäftigte verdienen Respekt und Wertschätzung am Arbeitsplatz“.
Im Rahmen der Veranstaltung wurde deutlich, welche Reichweite und Brisanz dieses Thema in unserer Gesellschaft und der heutigen Arbeitswelt hat.

Einige Zahlen verdeutlichen das sehr gut:

  • 20 Prozent oder jedeR fünfte ArbeitnehmerIn war bereits einmal mit Gewalt und/oder Belästigung am Arbeitsplatz konfrontiert.
  • 22 Prozent waren schon einmal von verbaler Gewalt (Herumschreien, Einschüchterungen) betroffen.
  • 13 Prozent mussten Beschimpfungen und Beleidigungen persönlich erleben.
  • Ein Prozent haben bereits körperliche Gewalt in der Arbeit erlebt.
  • Am stärksten vom Thema Gewalt sind Frauen betroffen. Drei Prozent von ihnen berichteten von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz.

Wir als Gewerkschaft sind davon überzeugt, dass Gewalt kein Berufsrisiko ist, das stillschweigend hingenommen werden muss.

Was man als Prävention dagegen tun oder welche Maßnahmen man in Betrieben setzen kann, um MitarbeiterInnen zu schützen bzw. nach Übergriffen adäquat zu unterstützen, das wurde im Laufe der Veranstaltung diskutiert und erörtert.

Mag.a Johanna Klösch, Arbeitspsychologin in der Arbeiterkammer Wien, gab in ihrem Vortrag (Video auf Youtube) einen guten Überblick über Daten und Fakten zum Thema. Sie verwies darauf, dass Gewalt viele Gesichter haben kann. Von körperlichen Übergriffen, über (sexuelle) Belästigung hin zu Stalking und Mobbing.

Sie wies darauf hin, dass Gewalt immer ein Angriff auf die menschliche Integrität und Würde sei und weitreichende Folgen haben könne. Gewalt kann zum Verlust des Selbstwertgefühls führen oder zeigt sich in körperlichen oder auch psychischen Verletzungen. Angstzustände, Schlafstörungen, Sucht oder eine Depression sowie Motivationsverlust, geringere Leistungsfähigkeit und innere Kündigung können die Folgen sein.

Interessant ist, dass Gewalt nicht nur Auswirkungen auf den/die BetroffeneN hat, sondern auch Konsequenzen für den Betrieb mit sich bringen kann. Das Arbeitsklima kann sich verschlechtern, dadurch kann es zu mehr Krankenständen kommen, die Produktivität und die Arbeitsqualität nehmen ab oder eine erhöhte Fluktuation bringt ein Mehr an Kosten für das Unternehmen mit sich. Wesentlich ist, dass der Arbeitgeber verantwortlich für die Prävention bzw. den Umgang mit Gewalt ist. Denn er ist Kraft Gesetz zum Schutz vor (körperlicher und psychischer) Gewalt am Arbeitsplatz verpflichtet. Weiters ist er zum Schutz der Integrität und Würde angehalten und muss Gefahren ermitteln und beurteilen. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die ArbeitnehmerInnen im Hinblick auf mögliche Gefahren und Schutzmaßnahmen zu informieren /unterweisen bzw. im Hinblick auf den Sicherheits- und Gesundheitsschutz eine geeignete Organisation bereitzustellen.

Eine gute Unternehmenskultur gilt als Schlüssel bei der Gewaltprävention.

Ein (gelebtes) menschliches Unternehmensleitbild ist ebenso essentiell wie ein offenes und wertschätzendes Betriebsklima. Ein klares, betriebliches Bekenntnis zur Gewaltfreiheit ist unumgänglich.

Betriebsrätinnen und Betriebsräte haben, wie in vielen Themen der Arbeitswelt, auch beim Thema Gewalt und in Fragen des ArbeitnehmerInnenschutzes Überwachungs-, Interventions-  Beratungs- und Mitwirkungsrechte. Sie können Betroffenen Beratung und Unterstützung anbieten sowie Kontakt zu Arbeiterkammern, Gewerkschaften, Kriseninterventionszentren etc. herstellen. Weiters können sie vorbeugende Maßnahmen sowie konkrete Vorgangsweisen bei Gewalt festlegen und in Betriebsvereinbarungen gießen (mehr dazu, wie z. B. Musterbetriebsvereinbarungen, findet sich auf der Website www.gesundearbeit.at von Arbeiterkammer und ÖGB).

Wenn du wissen möchtest, welche Maßnahmen die Betriebsrätinnen und Betriebsräte bzw. unsere Kollegin der GPA-djp im Rahmen unserer Veranstaltung vorgestellt haben, dann wirf einen Blick in die Videos:

Nerijus Soukup, Betriebsratsvorsitzender der Firma Mentor Management Entwicklung

Christoph Bures, Zentral-Behindertenvertrauensperson der Firma UniCredit Bank Austria AG

Vivian Fletzer, Betriebsratsvorsitzende Psychosoziale Dienste in Wien

Isabel Koberwein, GPA-djp

Alle Unterlagen & weiterführende Informationen zur Veranstaltung:

Weitere nützliche Informationen:

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