VideoCalls im Lockdown zwischen home office und Betrieb – Teil I

Die Corona-Krise hat Video-Calls und Videokonferenzen weltweit explodieren lassen. Anbieter von Plattformen wie Zoom sind populär geworden. Ihr Marktwert nimmt rasant zu. „Zoomen“ ist dabei zum Begriff für die Praxis der Online-Besprechungen per Video zu werden, so wie das Wort „googlen“ für das Recherchieren per Suchmaschine steht.

Im Covid-19 Lockdown ist das Werkzeug der Videokonferenzen in alle möglichen Gesellschaftsbereiche und -schichten vorgedrungen, während Videokonferenzen zuvor doch eher auf die interne Kommunikation in Konzernen und auf die Managementebene beschränkt waren.

BR-Kommunikation zwischen Betrieb & home office

Als Betriebsrätin oder Betriebsrat haben wir unsere Kommunikationskanäle der Situation ebenso anpassen müssen, wie viele andere Menschen. Einige von uns haben die spezielle Herausforderung, mit einer ganzen Belegschaft im home office in Kontakt zu bleiben. Andere müssen selbst aus dem home office kommunizieren. Und in der aktuellen Phase von Kurzarbeit-Anträgen, laufender neuer Verordnungen und Anpassungen von Gesetzen intensiviert sich außerdem der Kontakt mit den KollegInnen in den Interessensvertretungen.

Wenn wir uns diese vier Kommunikationsebenen unter den Bedingungen der Corona-Krise anschauen …

  • BR mit Betrieb (GF, HR, IT, …)
  • BR mit MitarbeiterInnen (im home office oder nicht)
  • BR im BR-Team
  • BR mit Gewerkschaft & AK

… liegt schnell nahe, dass das nicht alles mit einer Videokonferenz-Plattform gehen wird. Wir müssen flexibel sein und vielleicht auf diverse Tools für verschiedene Zwecke zurückgreifen. Es braucht mehr Kanäle als sonst, um anlassbezogen Besprechungen durchführen zu können.

Hürden für die Kommunikation im Lockdown

Dabei stossen wir seitens des Betriebsrats an größere Probleme als viele Andere, weil wir es im Lockdown mehr den je mit einer Mischung aus Firmen- und privaten Geräten, betrieblicher IT-Infrastruktur und privater zu tun haben.

Wir haben zum Beispiel die TeilnehmerInnen an unseren ersten Webinaren befragt, über welche Infrastruktur sie im Webinar dabei waren. Das Bild ist ziemlich gemischt.

Der Betrieb hat möglicherweise eine eigene Videokonferenz-Lösung, aber diese ist im Lockdown vielerorts überfordert, wenn Videokonferenzen viel mehr als sonst genutzt werden müssen. Oft ist sie überhaupt auf den internen Einsatz beschränkt und kann mit privaten Geräten oder mit externen Personen nicht gebraucht werden.

Während im Betrieb alle die gleichen Betriebsysteme und Browser hätten, sieht die Situation bei privaten Geräten anders aus.

Aus der gleichen Umfrage, hier das Bild, welche Browser für die Webinar-Teilnahme genutzt wurden.

Umgekehrt gibt es auf Firmen-Laptops möglicherweise nur Browser von Microsoft und die sind wieder mit den meisten Videokonferenz-Tools inkompatibel, die sich sonst so gut nutzen lassen. Und dann gibt es noch die Fragen der Datensicherheit und des Datenschutzes für jedes Tool.

Alles zusammen: es ist kompliziert.
Und da haben wir noch nicht mitbedacht,

  • dass die SysAdmins im Betrieb möglicherweise Videokonferenz-Tools oder einzelne -Funktionen sperren,
  • dass nicht alle Geräte automatisch Lautsprecher, Kamera und Mikrofon haben,
  • dass eine Website oder ein Browser möglicherweise vom Betriebssystem aus nicht die Rechte zum Zugriff auf Lautsprecher, Kamera oder Mikrofon eingestellt hat,
  • dass wir für manche Tools wie Skype, Zoom oder Webex vielleicht etwas installieren müssten oder
  • dass unsere Internetverbindung uns einen Strich durch die Rechnung machen kann.

Noch ein Eindruck aus unserer TeilnehmerInnen-Befragung. Auch die Art der Geräte spielt eine Rolle: PC, Laptop oder mobile Geräte. Im Prinzip kann mit jedem Typ an einer Videokonferenz teilgenommen werden.

Verschiedene Tools für die eigenen Zwecke

Es gibt folglich kein Tool, keine Plattform, die verlässlich Videokonferenzen ermöglicht und immer funktioniert, unabhängig von den potentiellen Hürden. Es macht also Sinn, mehr als ein Tool in der Hinterhand zu haben. Wir können je nach Bedarf auf eine einfache App für informelle Videocalls, auf die Videokonferenz-Lösung des Betriebs für diese Teammeetings und eine andere für andere Besprechungen mit anderen KollegInnen zurückgreifen. Mal müssen wir uns mehr nach den Kommunikationsgegenüber richten, mal geht es um ein höheres Maß an Datensicherheit und Vertraulichkeit.

Es gibt in unserer derzeitgen Situation noch einen weiteren gewichtigen Grund, nicht alles auf eine Karte zu setzen. Der weltweite Lockdown hat nicht nur einen enormen Anstieg an Videocalls und -konferenzen mit sich gebracht, sondern auch viel Bewegung in die Branche der Anbieter. Hier wird jetzt entwickelt.

Die bestehenden Anbieter müssen auf den Ansturm reagieren und ihr Angebot ausbauen. Für neue Anbieter bietet sich ein Markt an, der vor drei Monaten in der Form noch nicht existiert hat. Wir können davon ausgehen, dass im nächsten Jahr die gesamte Branche einen Innovationsschub erleben und dass sich unser aller Überblick in diesem Bereich verbessert haben wird.

Als Bildungsabteilung der GPA-djp werden wir in diesem Sinne nicht jetzt eine längerfristig bindende Entscheidung für ein Tool oder eine Plattform treffen, mit der wir Webinare und andere Online-Bildungsveranstaltungen durchführen.

Im Teil II von „VideoCalls im Lockdown zwischen home office und Betrieb“ werden wir hier im Bildungsblog die verschiedenen Tools und Plattformen mit ihren Vor- und Nachteilen oder speziellen Eignungen besprechen.

Siehe dazu außerdem im Blog der Arbeit & Technik den Beitrag „Viko, Telko, Datenschutz K.O.? Video- und Telefonkonferenzen im Arbeitsleben“.

In der Doku des „Arbeitsrecht und Corona-Krise“-Webinars kannst du Aufzeichnungen von Webinaren sehen, die wir über die Plattform Samba durchgeführt haben.

 

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