Das Ohr am Puls der Belegschaft (Doku)

Fokusgruppen in der Kommunikation des Betriebsrats einsetzen

„Die Macht geht von der Belegschaft aus“ – so könnte das vielzitierte Leitmotiv der repräsentativen Demokratie in abgewandelter Form für die Betriebsratsarbeit lauten. Der Betriebsrat ist das von den Arbeitnehmer*innen im Betrieb gewählte Organ, gewählt, um die Interessen der Belegschaft gegenüber dem Arbeitgeber zu vertreten. Bereits im Vorfeld von Betriebsratswahlen wird den engagierten Held*innen der betrieblichen Demokratie klar, was einer der wesentlichen Faktoren für erfolgreiche Betriebsratsarbeit ist: gute Kommunikation.

Am Beginn der Betriebsratskommunikation stehen unter anderem folgende grundlegende Fragen:

  • Wie werden die Beschäftigten über die Arbeit des Betriebsrats informiert?
  • Wie werden Themen, die aus Sicht der Beschäftigten und/oder aus der Sicht des Betriebsrats wichtig sind, im Betrieb „zum Thema gemacht“, also kampagnisiert?
  • Wie bekundet der Betriebsrat sein Interesse an bzw. sein „offenes Ohr“ für die Anliegen, Frage- und Problemstellungen der Arbeitnehmer*innen im Betrieb?
  • Wie erfährt der Betriebsrat, wo die Kolleginnen und Kollegen der Schuh drückt?

Die hohe Bedeutung, die ein kompetenter Umgang mit Fragen der Kommunikation sowie auch eine strategische und kompetente Kommunikationspraxis haben, spiegelt sich im Bildungsprogramm der GPA-djp Bildungsabteilung in mehreren Angeboten zu diesem Themenfeld wider.

Der Ausgangspunkt unseres neuesten Seminars „Das Ohr am Puls der Belegschaft – Fokusgruppen in der Kommunikation des Betriebsrats einsetzen“ ist, dass viele Betriebsräte seit Jahren immer wieder Umfragen per (Online-)Fragebogen machen, um Anliegen der Belegschaften zu erheben. Einer Anregung von Verena Spitz, stv.-Vorsitzende des Zentralbetriebsrats der BAWAG-PSK, folgend, bettet dieses Seminarangebot eine intensive Beschäftigung mit der sozialwissenschaftlichen Methode der Fokusgruppe in die Beschäftigung mit Kommunikationsstrategien des Betriebsrats ein. Das wesentliche Ziel des Seminars ist es, eine spezielle Methode (kennen zu) lernen, um Genaueres über die Interessen der Kolleginnen und Kollegen im Betrieb zu erfahren und gleichzeitig auch im Kontakt mit den Beschäftigten zu sein.

Ein wesentliches Moment, das Gewerkschaften und Betriebsräte nutzen können, um sich in ihren Aktivitäten von den Logiken und Mechanismen der rationalisierten, verdichteten, profitgetriebenen Arbeitswelt zu unterscheiden, ist es, die Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, mit ihnen im Kontakt zu sein und in Begegnung zu kommen. Während auch Umfragen ihre Berechtigung haben, sollten sie nicht als vorrangiges Mittel zur Erkundung unter Arbeitnehmer*innen und Belegschaften eingesetzt werden, da sie die Kommunikation erst recht wieder in anonymes Zahlenmaterial gießen. Dadurch gehen Potenziale der Organisierung durch emotionale Bindung, die eine zentrale gewerkschaftliche Gegenbewegung zur ökonomisierenden Verwertungslogik darstellt, verloren.

Kommunikationskompetenz

Die Kommunikation den Betriebsrats einerseits durch eine auffrischende Befassung mit den Grundlagen sowie andererseits durch Anwendung einer neuen Methode weiterzuentwickeln und zu verbessern, war demnach eine wesentliche Erwartung der Teilnehmer*innen im ersten Durchgang dieses Seminars am 17. und 18. Juni 2020 – bedingt durch die Coronakrise im Format eines Onlineworkshops.


Die Kommunikationskompetenz zu vertiefen und zu erweitern wird dabei mit dem Anliegen verknüpft, die Belegschaft besser erreichen zu können, die Reichweite gewerkschaftlicher Themen zu erhöhen und die Kolleginnen und Kollegen besser einbinden zu können. Dies ist für eines der zentralen Momente der Betriebsratsarbeit auch erforderlich: die Durchsetzungsfähigkeit. Ein Betriebsrat, der durchsetzungsfähig agieren will, braucht ein Vertrauensverhältnis zu den Arbeitnehmer*innen im Betrieb. Dieses kann allerdings nicht allein aufgrund eines Wahlprozederes umfassend angenommen werden. In Kontakt zu bleiben, in Kommunikation mit den Kolleg*innen zu sein, ist unumgänglich, um Vertrauen aufzubauen. In diesem Zusammenhang bestand seitens der Teilnehmer*innen Interesse, auch neue Methoden einsetzen zu können und die entsprechenden Skills in Bezug auf Fokusgruppen – von der Planung üder die Moderation bis zur Auswertung – zu erlernen.

Betriebsratskommunikation

Petra Deutschbauer (Expertin für Betriebsratsmarketing in der GPA-djp Regionalgeschäftsstelle Oberösterreich) führt in Grundlagen der Betriebsratskommunikation ein, um im Seminar ein gutes Fundament für spezielle Kommunikationsmethoden aufzubauen.

Die Erfahrung zeigt, dass Betriebsräte im Wesentlichen vier Kommunikationsbereiche abdecken:

  1. Die Beschäftigten informieren, welche Leistungen der Betriebsrat erbringt. Motto: „Ich rede über das Gute, das ich tue.“ – klassische PR.
  2. Themen zu Themen machen: aufklären, emotional „mitnehmen“ – Kampagnisieren – klassische PR.
  3. Direkter Austausch: Welche Themen, Probleme, Fragen haben die Beschäftigten? Das löst klassische Betriebsratsarbeit aus: beraten oder die Lösung der Probleme in Angriff nehmen. Hierzu gehören in gewisser Weise auch die Fokusgruppen – klassische PR.
  4. Gewerkschaftsmitglieder gewinnen durch Überzeugung – klassische PR und Werbung.

Die Präsentation von Petra Deutschbeuer zum Nachschauen auf Youtube sowie zum Download als PDF:

Petra Deutschbauer: „Ohne Kommunikation ist alles nichts“ – Kommunikation zur Stärkung der Betriebsräte (PDF)

Fokusgruppen

Karin Steiner (Sozialwissenschafterin und Geschäftsführerin des Sozialforschungsinstituts abif) informiert nicht nur grundlegend über die Methode der Fokusgruppen, sondern führt die Teilnehmer*innen auch durch Übungssequenzen zur Vorbereitung und Planung, sowie Moderation und anschließenden Auswertung von Fokusgruppen.

Die Präsentation von Karin Steiner zum Nachschauen auf Youtube sowie zum Download als PDF:

Karin Steiner – Fokusgruppen in der Betriebsratsarbeit (PDF)

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