ArbeitnehmerInnen im Netz rechtspopulistischer Politik (Doku)

Raum für die Diskussion brennender Fragen schaffen

Was zeichnet rechte Strategien in ihrem Kern aus? Warum sympathisieren viel zu viele ArbeitnehmerInnen – nicht nur in Österreich – mit rechten Bewegungen und Parteien? Gibt es Entwicklungen in der Wirtschaft und der Arbeitswelt, die den Rechtsruck befördern? Was kann (von jedem einzelnen) getan werden, um diesen Tendenzen entgegenzutreten?

Diese Fragen haben uns seit einiger Zeit beschäftigt und letztlich zur Idee geführt, sie mit anderen zu diskutieren, und zwar am besten im Rahmen einer offenen Diskussionsveranstaltung. Dafür hat es sich angeboten, auch Leute einzuladen, die sich in ihrer wissenschaftlichen und gewerkschaftlichen Tätigkeit schon länger mit diesen Fragen beschäftigen. Für die für die Diskussionsveranstaltung „ArbeitnehmerInnen im Netz rechtspopulistischer Politik“ am 07. November 2019 in der GPA-djp, zu der sich letztlich rund 60 TeilnehmerInnen – BetriebsrätInnen und interessierte Gewerkschaftsmitglieder – einfanden, hat Natascha Strobl, Politikwissenschafterin unter anderem mit dem Forschungsschwerpunkt Rechtsextremismus, die Ausgangsfragen aufgegriffen und in ein Veranstaltungskonzept umgemünzt. Insbesondere die Diskussionen unter den TeilnehmerInnen sollten bei der Veranstaltung nicht zu kurz kommen. Anschließend hat sie ihre Überlegungen zur und auch ihre Eindrücke von der Veranstaltung für uns zusammengefasst.

„Ich glaube, die Gewerkschaften unterschätzen manchmal ihre politische Kraft, sie sind wie ein schlafender Riese, aber wenn man sich das historisch anschaut, was die Gewerkschaftsbewegung gemacht hat im Kampf gegen Faschismus und schon davor – wenn Faschismus da ist, ist es zu spät, daher ist es auch davor schon so wichtig, etwas zu tun – und was für eine Rolle in Organisierung, in Bildung Gewerkschaften haben können – diese Rolle muss man wieder einnehmen, sich was trauen, laut sein, was sagen, was machen und all diese tausenden Leute, die in der Gewerkschaft organisiert sind, die sind ja eine Kraft und genau diese Kraft muss man wieder politisch übersetzen.“ (Natascha Strobl)

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5. ENTGRENZUNG VON ARBEIT

Bild: GPA-djp, fotolia.com

Yma Gärber, Melanie Frötscher

Entgrenzung ist ein weit verbreitetes Phänomen in der heutigen Arbeitswelt. Ein gutes Beispiel ist die Zunahme des sogenannten „Home-Office“ und die damit einhergehende Selbstverantwortlichkeit für die eigene Arbeitszeit bei gleichzeitig notwendiger, permanenter Erreichbarkeit, etwa am Handy oder durch das Lesen von arbeitsbezogenen Mails zu jeder Tages- und Nachtzeit.

In der Sozialwissenschaft wird das Phänomen der Entgrenzung wie folgend definiert: „Wenn in der Lite- ratur von der Entgrenzung der Arbeitszeit die Rede ist, ist damit in der Regel die Aufweichung der soge- nannten Normalarbeitszeit (40-Stunden-Woche) sowie eine Flexibilisierung und Verlängerung von Arbeits- zeit gemeint. […] die Arbeitszeiten [nehmen] in Teilbereichen stark [zu] es [kommt] zu einer Vermischung zwischen Arbeitszeit und Freizeit, weil Beschäftigte Arbeit mit nach Hause nehmen oder zumindest phasen- weise zu Hause arbeiten, oder einfach nur, weil sie auch innerhalb ihrer Freizeit für ihren Arbeitgeber erreichbar sind“ (Eichmann/Hermann 2004, S. 8). Weiterlesen